Gesetze, Reglemente, Richtlinien

Stand 2026

Cannabis Gesetzgebung – Schweiz

Cannabis wird zum jetzigen Zeitpunkt (2026) gesetzlich eingeteilt in zwei Kategorien mit unterschiedlichen Konzentrationen an THC:

Die Grenze wurde mit der Revision der Betäubungsmittelverordnung (BetmV) im Jahr 2011 eingeführt. Seit dieser Revision gilt:

  • Cannabis mit ≥ 1 % THC = Betäubungsmittel → verboten nach BetmG
  • Cannabis mit < 1 % THC = kein Betäubungsmittel → fällt nicht unter das Betäubungsmittelgesetz
  1. Cannabis < 1% THC

Die zurzeit geltenden Gesetze und Richtlinien für Cannabis, das nicht unter das Betäubungsmittelgesetz fällt gelten verschiedene Vorschriften:

Je nach Produktart greifen Lebensmittelrecht, Chemikalienrecht, Tabakrecht, Produktsicherheitsrecht oder Arzneimittelrecht.

1) Lebensmittel (inkl. CBD-Öle zum Einnehmen, Hanftee, Edibles)

➡️ Streng reguliert – praktisch alle CBD-Lebensmittel sind Novel Food. Allerdings wurde in der CH bisher noch kein einziges CBD-Produkt als Novel Food zugelassen.

Relevante Gesetze / Verordnungen

  • Lebensmittelgesetz (LMG)
  • Lebensmittel- und Gebrauchsgegenständeverordnung (LGV)
  • Verordnung des EDI über neuartige Lebensmittel (Novel-Food-Verordnung)
  • Hanfleitfaden des BLV (nicht Gesetz, aber behördlich verbindliche Auslegung)
 
  • Produkte mit Cannabidiol (CBD) und anderen Cannabinoiden, die nicht dem Betäubungsmittelrecht unterliegen – BAG

Kernpunkte

  • CBD in Lebensmitteln = Novel Food → Bewilligungspflicht (Derzeit keine zugelassenen CBD-Novel-Food-Produkte in CH/EU.)
  • Hanftee nur erlaubt, wenn THC < Grenzwert und kein isoliertes CBD zugesetzt.
  • Hanfprotein, Hanfsamen, Hanföl sind erlaubt (traditionelle Lebensmittel).

2) Raucherprodukte / Vaporizer-Liquids (CBD-Joints, CBD-Blüten zum Rauchen, E-Liquids)

➡️ Unterstehen dem Tabakproduktegesetz (TabPG) und der Tabakprodukteverordnung (TabPV).

Relevante Gesetze / Verordnungen

  • Tabakproduktegesetz (TabPG)
  • Tabakprodukteverordnung (TabPV)
  • Chemikalienrecht, falls Liquids mit Zusatzstoffen (z. B. Nikotin) → Chemikaliengesetz (ChemG)Chemikalienverordnung (ChemV)

Kernpunkte

  • Mindestalter 18 für Verkauf.
  • Werbe- und Verpackungsvorschriften (Warnhinweise, Inhaltsdeklaration).
  • CBD-Blüten zum Rauchen gelten als Tabakersatzprodukt.
  • E-Liquids ohne Nikotin: TabPG + Produktsicherheitsrecht.
  • E-Liquids mit Nikotin: zusätzlich Chemikalienrecht.

3) Kosmetika (CBD-Cremes, Salben, Hautöle)

➡️ Unterstehen dem Kosmetikrecht, nicht dem Lebensmittel- oder Arzneimittelrecht.

Relevante Gesetze / Verordnungen

  • Verordnung über kosmetische Mittel (VKos)
  • EU-Kosmetikverordnung (EG) 1223/2009 (übernommen in CH-Recht)

Kernpunkte

  • CBD ist in Kosmetika erlaubt, sofern:
    • kein THC nachweisbar ist (praktisch: < 0.2–0.3 mg/kg je nach Matrix),
    • keine pharmakologische Wirkung beworben wird.
  • Keine Heilversprechen (sonst Arzneimittelrecht!).

4) Aromaöle / Duftöle (nicht zum Verzehr)

➡️ Unterstehen dem Chemikalienrecht.

Relevante Gesetze / Verordnungen

  • Chemikaliengesetz (ChemG)
  • Chemikalienverordnung (ChemV)
  • CLP-Verordnung (Einstufung & Kennzeichnung)

Kernpunkte

  • Müssen korrekt eingestuft, gekennzeichnet und verpackt werden.
  • Keine Hinweise auf Einnahme oder medizinische Wirkung.

5) Arzneimittel (CBD-haltige Tropfen, medizinische Anwendungen)

➡️ Unterstehen dem Heilmittelgesetz (HMG).

Relevante Gesetze / Verordnungen

  • Heilmittelgesetz (HMG)
  • Arzneimittelverordnung (VAM)
  • Swissmedic-Richtlinien
  • Pharmacopoea Europaea (Ph. Eur.) für Qualitätsanforderungen

Kernpunkte

  • CBD als Arzneimittel ist zulassungspflichtig.
  • Strenge Anforderungen an:
    • Reinheit
    • Mikrobiologie
    • Pestizide
    • Schwermetalle
    • Stabilität
  • Medizinisches Cannabis < 1 % THC ist trotzdem ein Arzneimittel, wenn medizinisch beworben.

6) Nutzhanf / Landwirtschaftliche Produktion

➡️ Untersteht dem Agrarrecht.

Relevante Gesetze / Verordnungen

  • Agrargesetz (LwG)
  • Direktzahlungsverordnung (DZV)
  • Saatgutrecht (Saatgutverordnung)

Kernpunkte

  • Anbau von Hanf < 1 % THC ist legal.
  • Für Direktzahlungen müssen zugelassene Sorten verwendet werden.
  • Keine BetmG-Bewilligung nötig.

7) Industriehanf / Textilien / Baustoffe / technische Anwendungen

➡️ Unterstehen dem Produktsicherheitsrecht.

Relevante Gesetze / Verordnungen

  • Bundesgesetz über die Produktesicherheit (PrSG)
  • Produktsicherheitsverordnung (PrSV)

Kernpunkte

  • Produkte müssen sicher sein und korrekt deklariert werden.
  • Keine spezifischen Cannabisvorschriften.

8) Online-Handel / Import / Export

➡️ Kombination aus Lebensmittelrecht, Tabakrecht, Chemikalienrecht und Zollrecht.

Relevante Gesetze / Verordnungen

  • Zollgesetz (ZG)
  • Lebensmittelrecht (bei essbaren Produkten)
  • TabPG (bei Raucherprodukten)
  • ChemG/ChemV (bei Aromaölen, Liquids)

Kernpunkte

  • Import von CBD-Lebensmitteln praktisch nicht möglich (Novel Food).
  • Import von CBD-Blüten < 1 % THC ist erlaubt, aber Zollkontrollen + THC-Analysen üblich.

2. Cannabis >1% THC

Relevante Gesetze für Cannabis > 1 % THC in der Schweiz

Cannabis mit einem THC-Gehalt von 1 % oder mehr gilt in der Schweiz rechtlich als Betäubungsmittel und unterliegt damit strengen gesetzlichen Vorgaben.

1) Betäubungsmittelgesetz (BetmG)

Zentrales Gesetz für alles Cannabis > 1 % THC. Regelt: Anbau, Herstellung, Einfuhr, Ausfuhr, Handel, Besitz, Konsum.

  • Cannabis > 1 % THC = verbotenes Betäubungsmittel
  • Anbau, Handel, Herstellung, Einfuhr, Abgabe = strafbar
  • Konsum: Ordnungsbusse möglich
  • Besitz bis 10 g für Eigengebrauch: nicht strafbar (Bundesgericht seit 2017)

2) Betäubungsmittelverordnung (BetmV)

Regelt die Ausführungsbestimmungen zum BetmG, z. B.:

  • Bewilligungen für Umgang mit Betäubungsmitteln
  • Anforderungen an Lagerung, Dokumentation, Sicherheit
  • Regeln für medizinische Verwendung

3) Betäubungsmittelverzeichnisverordnung (BetmVV-EDI)

Definiert, welche Stoffe und Pflanzen in welcher Kategorie des Betäubungsmittelrechts stehen.

  • Cannabis > 1 % THC = verbotene Stoffe (Anhang d)
  • Ausnahmen für medizinische Anwendungen möglich

4) Medizinisches Cannabis (seit 1. August 2022)

Durch eine Änderung des BetmG:

  • Ärztinnen/Ärzte dürfen Cannabisarzneimittel ohne BAG-Bewilligung verschreiben
  • Cannabisblüten und Extrakte für medizinische Zwecke sind beschränkt verkehrsfähig
  • Produktion unterliegt GMP, Qualitätskontrollen nach Ph. Eur.

5) Pilotversuche mit Cannabis (BetmG + BetmPV)

Seit 2021 erlaubt das BetmG wissenschaftliche Pilotversuche mit kontrollierter Abgabe von Cannabis zu Genusszwecken.

  • Grundlage: Betäubungsmittelgesetz (Art. 8a BetmG)
  • Ausführungsrecht: Betäubungsmittel-Pilotversuchsverordnung (BetmPV)
  • Befristet auf 10 Jahre
  • Städte wie Zürich, Basel, Bern, Genf, Lausanne nehmen teil

6) Strassenverkehrsgesetz (SVG)

Regelt Fahren unter THC-Einfluss:

  • Fahren mit THC im Blut = schwere Widerhandlung
  • Führerausweisentzug + Strafverfahren möglich

7) Geplantes Cannabisproduktegesetz (CanPG)

In Arbeit (Stand 2024/2025):

  • Soll künftig den nicht-medizinischen Umgang mit Cannabis regeln
  • Wird aktuell in der SGK-N beraten
  • Ziel: Regulierung statt Verbot

Zusammenfassung

Für Cannabis mit mehr als 1 % THC gelten in der Schweiz insbesondere:

  1. Betäubungsmittelgesetz (BetmG) – Hauptgesetz
  2. Betäubungsmittelverordnung (BetmV)
  3. Betäubungsmittelverzeichnisverordnung (BetmVV-EDI)
  4. Regelungen für medizinisches Cannabis (seit 2022)
  5. Pilotversuchsrecht (BetmG + BetmPV)
  6. Strassenverkehrsgesetz (SVG)
  1. Zukünftiges Cannabisproduktegesetz (CanPG) – in Vorbereitung

 

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